Ungerechtigkeit seitens der Anderen – oder der Wegweiser zum Umgang mit mir Selbst

Keine Kommentare
Ungerechtigkeit

Klassische Situationen aus unserem Alltag, privat wie beruflich.

Situation Ungerechtigkeit.01:

Man kommt nach bestem Wissen und Gewissen seinem Job nach, gibt sein Bestes, alles ist in Ordnung. Aus heiterem Himmel wird man vom Vorgesetzten für etwas beschuldigt, verantwortlich gemacht, was außerhalb meiner Verantwortlichkeit liegt. Kein Fehler ist passiert, trotzdem bekommt man Schwierigkeiten.

Situation Ungerechtigkeit.02:

Man ist bester Laune, froh, endlich zu Hause zu sein, und freut sich auf einen gemütlichen Abend mit seinen Lieben, vielleicht etwas Feines kochen, vielleicht ein Glas Wein, alles könnte perfekt sein. Das Kind (Mann, Lebensgefährte, Mitbewohner, Mutter, Vater, Schwester, Bruder, etc.) kommt heim und beginnt ansatzlos, Streit zu suchen. Kein Fehler ist passiert, trotzdem bekommt man Schwierigkeiten.

Wie fühlt sich diese Ungerechtigkeit im ersten Moment an? Und wie reagieren wir darauf? Und – reagieren wir immer gleich darauf?

Warum die anderen uns ungerecht behandeln, bleibt jetzt einmal außen vor, um die anderen geht es nicht.

Es geht um uns. Wie reagieren wir darauf und warum reagieren wir so?

Die typischen Reaktionen sind Ärger („Hallo? Wie komm ich dazu, mit mir so umgehen zu lassen?“), Selbstzweifel und Unsicherheit(„Was habe ich falsch gemacht? Was hätte ich besser machen können?“), Angst („Steh ich schon auf der Abschuss-Liste?“). Wir werden laut, diskutieren, wehren uns – und werden dadurch noch angreifbarer und verlieren unsere Souveränität. Denn wer laut ist, hört nicht mehr zu, wer Recht behalten muss vergisst eventuell, dass es gar nicht um einen Wettkampf geht, der gewonnen werden muss.

Und wenn wir nachdenken, gibt es nicht auch Fälle, in denen wir auf genau die gleichen ungerechtfertigten und unfairen Angriffe ganz ruhig und souverän reagiert haben – in dem tiefen Wissen und der Überzeugung, dass wir keinen Fehler gemacht haben und die Anschuldigungen in Wahrheit nichts mit uns zu tun haben? Dass der Grund dafür ganz woanders liegt und wir einfach „zur falschen Zeit am falschen Ort“ waren?

Aber was ist der Unterschied zwischen den beiden Situationen? Es ist unsere Reaktion darauf. Und jeder – der in diesem Blog hin und wieder mitliest, ahnt bereits, was jetzt kommt.

Wenn wir in uns ruhen, uns selbst wertschätzen, uns um uns kümmern, dann haben wir die innere Festigkeit, solche „Stürme“ tapfer über uns hinwegziehen zu lassen. Wir haben sogar die Kraft, dem anderen zu verzeihen und ihm zuzugestehen, dass auch er in seiner Urteilsfähigkeit und seiner Wertschätzung manchmal nicht perfekt sein kann oder dass er einfach mal auch „einen schlechten Tag“ haben kann. Klar ist es unfair und gemein und ungerecht, aber es hat nichts mit uns zu tun!

Reagieren wir hingegen mit Ärger und Wut, dann sollten wir die Vorwürfe, die wir dem anderen machen, einmal umdrehen. Also zum Beispiel: Wenn ich mir denke: „Was will der von mir? Wie kann man so wenig wertschätzend mit seinen Mitarbeitern umgehen!?“, dann könnte die Frage an mich lauten „Wie wertschätzend gehe ich im Moment mit mir selbst um?“ Oft löst sich da dann ganz viel. Oder wenn ich mit denke „Wie kann er so mit mir reden, obwohl er behauptet, er liebt mich?“, dann könnte die Frage an mich selbst lauten „Wie sehr liebe ich mich selber im Moment?“.

Spannendes Thema und immer wert, darüber nachzudenken.

PS.: Und warum die Anderen ohne Zweifel manchmal komisch reagieren, ist eine andere Frage ….. aber das müssen die sich selbst beantworten, nicht wir 🙂 .

PPS.: Und selbst wenn die Anschuldigung gerechtfertigt ist (kann ja auch vorkommen, dass man Fehler macht, natürlich äußerst selten, aber vielleicht doch) – selbst in diesem unwahrscheinlichen Fall hilft es auch, zuzuhören, zu reflektieren und im Fall der Fälle ruhig und sachlich zu dem Fehler stehen bzw. im besten Fall daraus zu lernen.

Lass uns drüber reden.