Schweigen ist Gold, aber ist Reden wirklich immer Silber?

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Schweigen

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ein uraltes Sprichwort, dessen Wahrheit uns vielleicht viel zu selten bewusst ist.

Wie oft befinden wir uns in folgender Situation: Man sitzt in einer Runde mit anderen Menschen zusammen, ein unverfängliches Abendessen, Kaffeejause, Mittagspause, etc. Man plaudert über dies und das, unverfänglicher Smalltalk.

Irgendjemand bringt ein neues Thema zur Sprache: „Habt Ihr schon gehört,…….“. Ganz oft geht es um Personen, die nicht anwesend sind (und sich auch nicht wehren können). Ganz oft geht es um Handlungen (oder Aussagen), über die niemand konkrete Informationen hat. Keiner der Anwesenden war persönlicher Augen- oder Ohrenzeuge. Ganz schnell kommt Leben in die Diskussion. Jeder tut seine Meinung kund, jeder mutiert zum Rächer der Menschheit, zur moralischen Instanz. Oft geschieht all dies unter dem Deckmantel der „Sorge“. Aber ist es tatsächlich Sorge oder einfach nur Wichtigtuerei? Alle interpretieren munter vor sich hin, jeder weiss sofort eine Lösung, jeder hat ein Urteil parat. Wie schnell lässt man sich in der Hitze der Diskussion dann auch zu Aussagen hinreissen, die einem eigentlich nicht zustehen, die vielleicht auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Aber: „Jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Meinung!“

Stimmt prinzipiell. Aber jeder Mensch hat auch das Recht auf Respekt, Diskretion und Würde.

In solchen Situationen sollte man oft innehalten, schweigen und bedenken, dass wir auch selbst einmal in einer ähnlichen Situation sein können. Einer Situation, in der wir vielleicht Hilfe und Objektivität von jemandem bräuchten. Wie würden wir uns dann fühlen, wenn wir wüssten (und davon kann man ausgehen), dass sich die Leute hinter unserem Rücken das Maul zerfetzen?

Mein persönlicher Ansatz dazu:

Um sich eine Meinung bilden zu können und diese öffentlich zu äußern sind klare, nachvollziehbare, verifizierte Informationen notwendig. Zumindest sollte es so sein. Informationen, die unreflektiert von Dritten (oder Vierten, Fünften,…) übernommen werden haben keinen Wert.

Habe ich diese Informationen nicht, ist Schweigen noch immer die klügere Option. Und im Idealfall organisiere ich mir die Information, sprich: ich nehme mit der Person um die es geht Kontakt auf und lass mir aus erster Hand erzählen, was tatsächlich passiert ist und mach mir mein eigenes Bild.

Alles andere bringt niemandem etwas und vergiftet nur das eigene Hirn mit gehässigen Gedanken.

Das gilt übrigens auch für Diskussionen, die „anonym“ über die sozialen Netzwerke stattfinden. Mein Lieblingszitat in diese Richtung, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich evtl. wiederhole:

„Wenn FB zur Meinungsbildung genutzt wird, ist das nur verständlich. Daraus wächst aber auch Verantwortung und ich empfehle folgende Fragen zur Beantwortung bevor (!) man munter teilt: 1) Dient die Information wirklich dem Allgemeinwohl? 2) Kann ich die Fakten wirklich beurteilen? 3) Kann ich die Botschaft wirklich verantworten? 4) Braucht die Welt diese Informationen wirklich? 5) Braucht sie die Informationen wirklich von MIR? Ein paarmal Ja wäre hilfreich.“ (Zitat René Borbonus)

Also: Schweigen ist im Zweifelsfall definitiv Gold.

Lass uns drüber reden.