Muttertag 2.0 – wer braucht das?

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Muttertag

Muttertag – allem voran für mich, seit vierzehneinhalb Jahren leidenschaftliche Mutter und Romantikerin, ein durchaus emotionaler und schöner Tag. Ich geb es zu: Ich wollte immer Mutter werden (eigentlich von vielen Kindern 🙂 ), das ist meine Haltung. Es war nicht leicht, jeder der mich näher kennt weiß, dass der Tag im Jänner 2003, als meine (unsere) Tochter zu uns kam,  für mich (aber auch für meinen Mann) der aufregendste und schönste Tag in meinem (unserem) Leben war und ich seither keine Sekunde mit meinem (unserem) Kind missen möchte. Ich bin dankbar für jeden Moment.

ABER – das ist MEINE Haltung.

Ich bin aber davon überzeugt, nein – ich weiß, dass es ganz viele Frauen gibt, die kinderlos sind. Warum – dafür gibt es unterschiedlichste Gründe, darauf will ich nicht eingehen. Und es steht NIEMANDEM zu, diese Gründe zu hinterfragen, zu bewerten oder zu interpretieren.

Und vor diesem Hintergrund möchte ich diesen „Muttertag“, gegen all die verzuckerte Romantik, auch einmal etwas kritisch betrachten.

Allem voran – wir leben im 21. Jahrhundert!!! Braucht es da noch so etwas wie einen Muttertag? Wir haben den Frauentag, und das ist gut so. Die Feministinnen der Vergangenheit haben für ein selbstbewusstes Frauenbild gekämpft. Und trotzdem gibt es noch so etwas wie den Muttertag.

Was ist das mit dem Muttersein? Lebewesen, die andere Lebewesen gebären sind eine vollkommen natürliche Sache. Und – abgesehen davon, dass es – außer bei ganz bestimmten Gattungen – nicht nur Mütter sondern auch Väter für die Fortpflanzung braucht; warum wird das bei uns Menschen so romantisiert? Warum konnte es in „grauer Vorzeit“ zu so etwas wie dem Mutterkreuz kommen?

Warum wird in die Mutterrolle soviel mehr hinein interpretiert als es wirklich ist? Warum ist Mutterrolle oft gleich Opferrolle? Warum ist Muttersein so oft auch Belastung? Auch das ist eine Haltung, oder?

Noch einmal – ich finde, Muttersein ist etwas Wunderbares und ich genieße es sehr.

Aber es gibt auch noch andere Rollen, die uns Frauen – wertneutral – offen stehen.

Und ich hätte noch nicht erlebt, dass die Rolle der Freundin, Businessfrau, Nachbarin, Professorin, Schwester, Ehefrau, etc. nur annähernd so romantisch verklärt worden wären wie die Rolle der Mutter.

Wie geht es denn heute all den Frauen, die keine Mütter sind? Ihnen gegenüber  finde ich diesen ganzen Mutter-Hype gelinde gesagt respektlos.

Das sollten sich auch öffentliche Stellen/ Parteien mal genauer überlegen. Die A4 (Autobahn) gratulierte heute auf Überkopf-Hinweisschildern allen Müttern? WTF?!?!?!?

Lass uns drüber reden.