#metoo – Klarheit oder Herausforderung

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me too

#metoo – Ich hab mich dieser Diskussion lang entzogen – es gibt schon genug Menschen, die sich daran beteiligen. Die Wogen gehen hoch, immer ein untrügliches Zeichen für hoch emotionale Items – was es für mich wieder spannend macht. Also hab ich mich denn doch hinreißen lassen …..

#metoo – eine Kampagne, die durch das widerwärtige Verhalten von – hauptsächlich – Männern im Rampenlicht ausgelöst wurde.

Und allem voran, um da keine Unklarheiten aufkommen zu lassen. Im Normalfall werte ich nicht. Aber physische und psychische Gewalt ist in jeder Form kategorisch abzulehnen. Da gibts keine „Kavaliersdelikte“, kein Pardon. Bei Gewalt gibt es Täter und Opfer, wobei es egal ist, ob der Täter bewusst oder durch was auch immer in getrübtem Bewusstsein agiert.

Aber – wenn ich das richtig sehe – geht es ja bei #me too nicht um Gewaltverbrechen sondern um den Tatbestand der „sexuellen Belästigung“. Und da wird das Eis richtig dünn. Ich höre jetzt schon den Aufschrei, aber halt:

Wie definiert sich denn „sexuelle Belästigung“?

Die gute Nachricht: Das ist doch ganz klar. In dem Moment, wo meine Grenze überschritten wird, wo mir etwas unangenehm ist, ist es eine sexuelle Belästigung. So weit so klar.

Die schlechtere Nachricht: Bei jedem Menschen liegt diese Grenze woanders. Das ist Fakt. Es gibt keinen Compliance-Katalog, an dem man sich orientieren kann.

Die ganz schlechte Nachricht: Die persönlichen Grenzen eines jeden Menschen gelten auch nicht für alle Gegenüber immer gleich. Ist die Hand auf dem Knie vom Chef unerträglich und definitiv ein Übergriff, so ist die Hand von dem Mann, den ich gut finde grad mal der Beginn von viel mehr ……

Was also tun? Muss es soweit gehen, dass sich jede und jeder vorher klar absichern muss, wo beim anderen die Grenzen sind, was geht und was nicht geht? Wäre eine sichere Möglichkeit, aber besonders sexy ist das nicht ……

Was hier gefragt ist, ist Empathie, die Fähigkeit, andere Menschen „zu lesen“, zu erkennen und zu erspüren. Das ist nicht einfach – Empathie muss von klein auf erlernt werden, Menschen, die in einem nicht liebenden und wertschätzenden Umfeld groß geworden sind, tun sich da besonders schwer.

Als nächstes sind Respekt und Wertschätzung dem anderen gegenüber gefragt. Hat man die Grenzen beim Anderen einmal erkannt, müssen diese unter allen Umständen respektiert werden, spätestens dann, wenn der Andere klar „Stop“ sagt.

Und damit auch schon zum Nächsten: Mut und Selbstbewusstsein. Wir müssen uns selbst unserer Grenzen bewusst sein, dazu stehen und diese auch klar kommunizieren und auch leben. Es passiert, dass Frauen sich provokant verhalten, sehr wohl im Bewusstsein ihrer Reize und derer Wirkung, obwohl es eigentlich nicht ihrem Wesen entspricht. Speziell junge Mädchen tappen oft in diese Coolness-Falle, auf der Suche nach ihrer eigenen Persönlichkeit, sie tun Dinge, die ihnen unangenehm sind in der Hoffnung und Sehnsucht, dass sie dadurch beliebter, cooler, anerkannter sind. Dabei sollte die Tatsache, dass es ihnen unangenehm ist, schon als deutliches Signal wahrgenommen werden, die Reißleine zu ziehen und klar „Stop“ zu sagen. Aber das fordert viel Mut und Selbstbewusstsein.

Also – #metoo wirft viele Fragen auf – was gut ist. Denn es ist bitter notwendig darüber zu reden. Damit sich Menschen mit ihren eigenen Grenzen auseinandersetzen, damit Menschen noch achtsamer miteinander umgehen. Und dabei trotzdem nie die Lust am Flirten und Spielen verlieren, damit für Humor und Leichtigkeit immer noch Raum bleibt. Eine Gradwanderung – ohne Zweifel.

Lass uns drüber reden.