Innehalten oder aushalten

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innehalten

Ein Jahr geht dem Ende zu, wieder einmal Zeit innezuhalten, zu reflektieren. Gerade zu den Feiertagen, wo der wahre Sinn hinter den Festtagen oft verloren geht und zugedeckt wird von Hektik, Überarbeitung, körperlichem und psychischem Stress – gerade jetzt sind die Menschen im Vorteil, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, zwischendurch regelmäßig innezuhalten. Den Status Quo zu checken – auf schön neudeutsch 🙂 .

Wie gehts mir wirklich, was passt, woran kann ich noch arbeiten, wo will ich hin, was fehlt? Vor allem dieses „wirklich Hinschauen“ ist oft nicht leicht. Nur allzu gern lassen wir uns ablenken. Es erfordert Kraft und Mut, denn es könnte sein, dass es vielleicht nicht ganz so angenehm ist, der Wahrheit direkt ins Gesicht zu blicken.

Und manchmal ist es so, dass diese Wahrheit so entsetzlich ist, dass man sie – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht aushalten kann. Dann kann man nicht „wirklich hinschauen“, es würde die momentan vorhandenen Ressourcen übersteigen. In solchen Situationen ist der erste Schritt vielleicht nur das „Aushalten“, oder „Stillhalten“. Man ist bemüht, den Ist-Zustand zu erhalten, damit es nicht noch schlimmer wird. Man kann keine Entscheidungen treffen.

Prinzipiell wird das Endziel auch hier sein, die Situation zu optimieren, sodass am Ende „alles gut“ ist (was auch immer „gut“ für jeden einzelnen bedeutet). Aber bis dahin ist es ein langer Weg mit vielen kleinen Schritten. Und vielleicht ist der erste Schritt eben „aushalten“. Im nächsten Schritt gilt es natürlich, Möglichkeiten zu finden, Ressourcen aufzutanken, neue Kraft zu schöpfen um aus der Hölle raus zu kommen. Aber im Moment ist es auch ok, einfach mal still zu halten, nicht zu entscheiden, nicht vorwärts zu wollen.

Gerade vordergründig destruktive Verhaltensmuster wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Aggressivität aber auch Oberflächlichkeit und Arroganz können ein bewährtes Mittel sein, nicht genau hinschauen zu müssen, sich selbst zu betäuben oder sein wahres Ich hinter einer Maske zu verstecken. Wenn die Situation so schlimm ist, dass man sich ihrer nicht stellen kann (Angst, Verzweiflung, Wut,…), dann sind diese Strategien vordergründig durchaus hilfreich.

Als Außenstehende sehen und wissen wir natürlich, dass das keine Lösung ist. Aber vielleicht hilft es uns ein bisschen, Menschen in ihrem selbstzerstörerischem Verhalten zu verstehen, ohne es gut heißen zu können.

Lass uns drüber reden.