Freundschaft – Salz und Zucker unseres Lebens

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Freundschaft

Es gibt so vielfältige Beziehungen in unserem Leben, die alle auf ihre eigene Art und Weise Herausforderungen darstellen. Oft scheint es, dass die Freundschaft, die selbstgewählte, innige, emotionale Beziehung zwischen  Menschen, dabei die geringste Hürde darstellt weil – selbstgewählt und freiwillig. Allerdings trügt der Schein.

Wie immer bei Beziehungen geht es auch bei der Freundschaft um Emotionen. Wenn jemand bereit ist, sich emotional zu öffnen und zu engagieren, macht er sich damit auch verletzlich. Das ist ein großer Schritt, ein großer Vertrauensvorschuss dem anderen gegenüber. Dessen sollte sich jeder Mensch bewusst sein, der das Glück hat, jemand anderes als seinen Freund bezeichnen zu dürfen. Mit diesem Vertrauen, diesem Geschenk gilt es auch, respektvoll, achtsam und dankbar umzugehen.

Aber wie geht das? Es ist doch eh klar, dass man seine Freunde nicht verrät, lieb ist, immer für einander da, etc. Aber was bedeutet das genau?

Gehen wir einmal davon aus, es ist die Basis einer Freundschaft gelegt, man versteht sich gut, man hat ähnliche Interessen, man ist gerne zusammen, man fühlt sich miteinander wohl (vgl. Verliebtheit in einer Liebesbeziehung). Irgendwann tauchen erste Hürden auf, Themen, die einen trennen. Jetzt steht man erstmals am Scheidepunkt. Bewältigt man das Thema so, dass die Freundschaft noch vertieft wird oder wendet man sich ab? Ist das Gemeinsame stark genug, dass es den Graben überbrücken kann?

Hier ist es auch wieder wichtig, zu versuchen, aus seinen eigenen Gedankenmustern auszusteigen, sich trauen, die eigenen Wege zu verlassen und zu versuchen, ohne Wertung in die Gedankenwelt des anderen einzusteigen. Es geht nicht darum, das Verhalten des anderen – gemessen an eigenen Werten – zu interpretieren oder in gut und böse einzuteilen. Es geht darum,

„…mindestens 1000 Meilen in den Mokassins eines anderen zu gehen“. (Indianisches Sprichwort)

Es geht darum, den anderen wirklich zu verstehen und nur darauf zu achten, was wirklich und tatsächlich ist, ohne Interpretation, ohne Vermutung, ohne eigenen Filter, ohne Wertung.

Wenn man das schafft, relativiert sich vieles.

Was ebenfalls Basis für Freundschaft ist, ist die Diskretion und das Vertrauen. Das Vertrauen darin, dass die Freundschaft nicht verraten wird. Das Vertrauen darin, dass Geheimnisse sicher sind. Das Vertrauen darin, dass egal, was ich tu, vom anderen nicht ohne Prüfung verurteilt wird. Das vertrauen darin, dass ich beim anderen Trost finde und – wenn ich das brauche und will, auch Rat.

Freundschaft heißt aber auch Freiheit. Die Sicherheit und das Gefühl der Liebe (und zwischen Freunden besteht eine Form der Liebe) lassen Menschen fliegen, machen sie frei von Zwängen, geben Raum für Entwicklung, für Selbständigkeit, Freundschaft macht stark. Freiheit heißt aber auch, anders denken zu dürfen, dem anderen gegenüber respektvoll die eigene Meinung zu vertreten ohne ihn für seine Diversität zu verurteilen. Einfach zwei gegensätzliche Standpunkte stehen lassen können ohne sich zu überwerfen.

Es ist aber auch die Freiheit, die es uns erlaubt, dem Freund gegenüber vollkommen authentisch zu sein, sich nicht verstellen zu müssen. Das ist auch der Grund dafür, dass man sich mit dem Freund gemeinsam so wohl fühlt, so geborgen, so gut aufgehoben.

Diese Freiheit ist also auch immer mit Wertschätzung gepaart. Was auch immer der andere tut (egal ob wir es gut finden oder nicht), er kann immer mit meiner Wertschätzung rechnen. Wer die Kunst beherrscht, Person von Verhalten zu trennen, ist hier klar im Vorteil. Wer bereit ist, von seinem hohen Ross herab zu steigen und zu verzeihen, wer bereit ist zu sagen, ok, die Aktion war jetzt tatsächlich ganz objektiv nicht in Ordnung (oder auch ganz „Scheiße“) aber er ist trotzdem mein Freund und es wird Gründe geben, warum er so gehandelt hat (die ich nicht immer verstehen muß 🙂 ), wer dazu fähig ist, ist ein guter Freund.

Und was jede Freundschaft ausmacht ist nicht nur die Leidensfähigkeit sondern vor allem auch die Leichtigkeit, das gemeinsame Lachen, das Genießen des Moments. Gemeinsam einfach nur „blöd sein“, spielen, lachen, bis man droht, vom Sesserl zu fallen. Versunken in gemeinsamem Tun, ohne, dass es zu etwas nutze ist, gemeinsam Träumen als ob man durch nichts Weltliches gebremst werden könnte, im Kino sitzen und gemeinsam beim doofsten Film aller Zeiten heulen, dass die Tür nicht zu geht und die Popcorn sich mit den gemeinsamen Tränen vermischen. Es ist aber vor allem dieses „Alles kann, nix muss!

Lass uns drüber reden.