Freundschaft und Beziehung – Widerspruch in sich?

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Freundschaft

Entweder oder, Freundschaft oder Liebe – beides gemeinsam kann nicht funktionieren.

So denken heute noch viele. Das Gegenargument dazu könnte aber auch lauten:

Die Liebe ist die tiefste Form der Freundschaft.

Kritische Geister könnten jetzt unken: „Im Titel steht Freundschaft und Beziehung, jetzt ist von Liebe die Sprache, heißt Beziehung gleich Liebe?“ Ohne Zweifel, eine berechtigte Frage, aber davon gehe ich jetzt einmal aus – schließlich ist morgen Valentinstag 🙂 und dies ist ein Beitrag in der Serie „Be my Valentine“.

Ich bin eine glühende Vertreterin des zweiten Arguments: Natürlich ist Liebe und Freundschaft möglich, ich würde sogar sagen, Liebe ohne Freundschaft ist NICHT möglich. Was zeichnet Freundschaft denn aus? Verbundenheit, Treue, Loyalität, Respekt, Mut, Geborgenheit, Verlässlichkeit, all diese Werte sind doch unbedingt auch notwendige Werte einer guten Beziehung. Und eben auch die Liebe.

Ich würde sogar sagen, dass Freundschaft einer der stabilsten und deshalb wichtigsten Teile einer Beziehung ist. Vieles andere kann als verbindendes Element vergänglich sein: gemeinsame Interessen (man entwickelt seine Eigenheiten?), Sexualität (unterschiedliche Ansprüche?), gemeinsame Reisen (unterschiedliche Interessen?), Kinder (sind aus dem Haus?), gemeinsame Freunde (werden immer weniger?). Aber wenn das starke Fundament einer Beziehung eine zutiefst empfundene, ehrliche Freundschaft ist, kann so mancher Sturm gemeinsam überwunden werden.

Gerade in schweren Zeiten, wenn drum herum alles zu bröckeln scheint, ist es immer wieder heilsam, sich dieser Freundschaft bewusst zu werden, sich dessen zu erinnern, was man einmal (in grauer Vorzeit 🙂 ) aneinander gefunden hat. Was es war, das die Anziehung ausgemacht hat. Im Alltag verliert man diese Perspektive leicht und mit der Zeit wird die Erinnerung auch oft verdeckt durch Ärger, Frust, Stress, Angst, Krankheit, etc. Aber eines ist sicher: Ist die Basis einer guten Freundschaft einmal gelegt ist diese nur schwer zu erschüttern.

Es gibt da einen Hochzeitsbrauch, der genau dieses Thema aufgreift: Das Brautpaar bekommt zur Vermählung eine Kerze, die stets angezunden werden soll, wenn Gefahr besteht, dass genau das Glück des Augenblicks der Hochzeit vergeht. Sie soll angezunden werden, wenn im Streit keine Worte mehr da sind. Sie soll angezunden werden, wenn der Zauber des Anfangs zu vergehen droht.

Und manchmal hilft auch keine Kerze, um wieder in das Gefühl rein zu finden, um im anderen wieder diesen Zauber zu sehen, um diese tiefe Freundschaft, die einmal da war, wieder zu spüren. Dann kann immer noch Hilfe von Außen helfen.

Lass uns drüber reden.