Absage an die Fremdbestimmung oder Die große Freiheit

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Fremdbestimmung

Fremdbestimmung oder Selbstbestimmung – das sind die Schlagwörter unserer Generation. Dieser Beitrag ist auch ein Beitrag über mich – ich geb es offen zu 🙂 . Aber es ist auch ein Beitrag über ein Phänomen, welches zur Zeit überall zu beobachten ist, dem man einfach nicht entkommt.

Bestimmt fragen sich viele, woher plötzlich dieses Überangebot an „Hipster-Cafés“ kommt (In diesem Zusammenhang übrigens danke an Stephan für das Posten des Links 🙂 )

Bestimmt fragen sich viele, woher plötzlich all diese Popup-Stores für alles mögliche kommen: Cupcakes, Gartenzeugs, veganes Eis, Bio-Läden, Naturkosmetik, B&Bs, Yoga, Papierwaren, Coaching für alles mögliche, Modeschmuck, französische Delikatessen, italienische Antiquitäten, handbemalte Fliesen, nachhaltiges Catering (möglichst unter Einbeziehung von gesellschaftlichen Randgruppen).

Alles schöne Sachen.

  • Frage 1: Wie konnten wir früher ohne all das leben, bzw. – konnten wir früher ohne all das leben. Einfache Antwort: JA
  • Frage 2: Sind all diese Angebote entstanden, weil eine Nachfrage da war? Einfache Antwort: JEIN

Die Nachfrage danach kommt weniger vom Markt.

Aber es gibt eine große Sehnsucht innerhalb einer bestimmten Zielgruppe nach Veränderung, nach Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung.

Früher hat man nach der Schule oder dem Studium eine Arbeitsstelle angenommen, war dort mehr oder weniger glücklich und erfolgreich, hat seine Zeit dort abgedient bis man dann in Pension gegangen ist. Die „Karriere“ wurde nicht in Frage gestellt. Oft wurde der Arbeitgeber nicht oder nur 1-2 mal gewechselt, die Branche blieb. Man hat auch keine großen Visionen bezüglich seines Berufslebens gehabt. Arbeit war Pflicht und Notwendigkeit, der Wohlfühlfaktor war zweitrangig.

Dann kam eine gesellschaftliche Wende. Mit der Wirtschaftskrise Anfang des 21. Jahrhunderts wurden die Bandagen härter. Man fürchtete um seinen Arbeitsplatz, große, alteingesessene Betriebe gerieten in wirtschaftliche Schwierigkeiten, Kurzarbeit, Entlassungen, weltpolitische und gesellschaftspolitische Veränderungen prägten unseren Alltag. Der Druck auf jeden Einzelnen wurde größer.

Gleichzeitig rückte aber auch der Mensch als Individuum in den Mittelpunkt. Wertschätzung und Achtsamkeit für sich und für anderen Menschen, für die Ernährung und die Umwelt, für den eigenen Körper und Geist, für alle anderen Lebewesen und unseren Planeten, für Hund und Katz, für Greti und Plethi.

Und dann entwickelte sich parallel auch noch das Phänomen Social Media. Jeder fühlte sich berufen, in Form von kontemplativen Zitaten, Katzenbildern oder auch hingerotzten Sprüchen zum Tag sein Befindnis kund zu tun.

All das lässt die Menschen sich mehr auf sich selbst besinnen. Und wenn sich dann auch noch die Herausforderung und Kraft eines neuen Lebensabschnitts dazu gesellt, stellt man schnell einmal zum Beispiel die Absolutheit und „Unumstösslichkeit“ seines Arbeitsplatzes in Frage:

  • Wieso nicht einmal etwas ganz Anderes probieren
  • Wieso nicht einmal den finanziellen Aspekt eines Jobs beiseite lassen, den Fokus auf andere Dinge legen: Talent, Freude, mehr Zeit, weniger Stress, mehr Luft, weniger Fremdbestimmung?
  • Wieso sich nicht raus trauen aus der Komfortzone, alle Sicherheitsnetze sprengen?
  • Wieso sich nicht einmal dem Schönen widmen oder einfach Spass haben, die Leichtigkeit im Leben zurück bekommen?

Klingt gut, oder?

Aus Investmentbankern werden Guerilla-Gärtner, aus Wirtschaftsrechtlern Bäcker, aus Druckern werden Cranio-Sacral-Therapeuten, aus Journalisten Schamanen, aus KFZ-Meistern Lebens- und Sozialberater. Seltsamerweise ist der umgekehrte Weg selten: ich hätte noch nie gehört, dass aus einem gelernten Floristen ein Bank-Vorstand wird …..

Klar – oft ist es auch mit finanziellen Risiken verbunden. Oft werfen sich Menschen sehr blauäugig in das Abenteuer Selbständigkeit – und scheitern auch ab und an, das muss man klar sagen. Aber dann scheitern sie meistens mit wehenden Fahnen.

Und was sie auf jeden Fall gewonnen haben ist die Erfahrung, für etwas gebrannt zu haben, eine Leidenschaft gelebt zu haben.

Und das macht reich (leider allerdings manchmal nicht in finanzieller Form 🙂  ).

Also – wenn Ihr das nächste Mal an einem dieser kleinen Läden für Dinge, die kein Mensch braucht, die aber einfach schön sind, vorbei kommt dann seid großzügig in Gedanken. Geht hinein, genießt die Atmosphäre, vielleicht ergibt sich ein Gespräch. Und vielleicht gibt es auch so etwas wie einen inspirierenden Gedanken „auf Haus“. In diesem Sinne:

Lass uns drüber reden.