Empathie: Hallo, wie gehts?

1 Kommentar
Empathie

Es gibt Situationen, da braucht es gar nicht viel Empathie: man sieht, man spürt, jemandem geht es nicht gut. Da erübrigt sich dann die Frage „Wie geht’s“ – selbst wenn sie rhetorisch gemeint ist wird diese Frage peinlich,  wenn das Gegenüber die Tränen kaum mehr zurückhalten kann. Da ist dann schon eher die Frage: „Kann ich helfen?“ oder „Was fehlt Dir?“ angebracht.

Und dennoch, so oft sind diese Tränen den Betroffenen dann unangenehm, beiden Seiten. Zuzugeben, dass es einem nicht gut geht, dass nicht „alles super“ ist, dass ein schnelles „Gut. Und Dir?“ nicht mehr ausreicht um die Frage loszuwerden und denn Ball zurück zu spielen, das erfordert Kraft und Mut. Und das in einer Situation, wo man oft nicht einmal mehr genug Kraft hat, ein „gerades Wort“ heraus zu bekommen, geschweige denn die Tränen zurück zu halten. Das System bricht zusammen, man funktioniert nicht mehr, Ausnahmezustand.

Solche Situationen lösen immer Betroffenheit beim Gegenüber aus. Auch wenn Empathie fehlt: Niemand kann sich umdrehen und gehen, wenn jemand weint. Das ist keine Situation, aus der man sich mit einem flüchtigen Schulterklopfen und einem lapidaren „Das wird schon wieder“ raus schummeln kann.

Solche Situation brauchen Anwesenheit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit aber vor allem Empathie und Zeit. Zeit zuzuhören. Achtung: in den meisten Fällen braucht es KEINE Ratschläge oder „gute Tips“ – außer man wird ausdrücklich darum gefragt („Sag mir bitte, was ich jetzt tun soll.“).

Und es braucht Mut – auf der einen Seite Mut, das „Nicht Funktionieren“ zuzulassen, Schwäche zuzulassen, sich verletzbar zu machen, auf der anderen Seite vor allem, die Intensität auszuhalten. Da ist dann Schluss mit oberflächlichem Small Talk.

Also – nur zu verständlich, wenn man auf die Frage „Wie geht’s“  sehr, sehr oft die automatisierte Antwort „Danke, gut.“ bekommt. Es ist einfacher. Denn zu erzählen, wie es einem wirklich geht, ist oft anstrengend, herausfordernd, intensiv, einfach zu belastend. Abgesehen davon, dass die Frage „Wie geht’s“ ja auch ganz oft rhetorisch ist. Es wäre interessant einmal zu überprüfen, wie oft die Fragenden tatsächlich wissen wollen, wie es einem geht, jenseits aller Höflichkeiten und Förmlichkeiten.

Mich interessiert es, wie es jemandem geht. Ich höre zu, ich werte nicht, ich bleibe neutral. Und ich spüre, was jemand braucht.

Lass uns drüber reden.