Beziehungskrise – oder: Wie streite ich richtig?

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Beziehungskrise

In jeder Beziehung gibt es auch die Beziehungskrise – das liegt in der Natur der Sache und ist weiter auch nicht schlimm. Im Gegenteil: Würde es in einer Partnerschaft niemals krachen, würde sich ein prüfender Blick hinter die Kulissen lohnen.

Also – Krisen in der Beziehung sind natürlich, gut und wichtig (und nicht nur wegen der Versöhnung danach 🙂 ). Es soll Menschen geben, die sogar den Begriff des „lustvollen Streitens“ gebrauchen.

Andererseits kostet so ein Streit auch viel Kraft und Energie – kann auch ganz viel im ersten Feuer zerstören, was im Nachhinein oft nur schwer wieder zu reparieren ist. Daher gibt es heute eine kleine Einführung in die Streitkultur.

  • Zeitebene: Beobachten Sie beim Streit, auf welcher zeitlichen Ebene sich das Gespräch abspielt. Wird nur in der Vergangenheit gesprochen, werden uralte Vorwürfe und Themen wieder aufgewärmt? Was in der Vergangenheit geschehen ist kann man nicht rückgängig machen. Mit Themen aus der Vergangenheit zu kommen ist nicht fair. Bezieht sich mein Gegenüber jedoch mit seinen Argumenten nur auf die Gegenwart (z.B.: „Das macht man nicht“) bekommt das Ganze schnell etwas Oberlehrerhaftes – nicht sehr sympathisch. Idealerweise konzentriert man sich auf ein Ziel, bleibt mit dem Fokus auf der Zukunft. Wo will man hin, welche Lösungsansätze gibt es?
  • Zeitpunkt: Ganz schnell entsteht ein Beziehungskrise aus einer plötzlichen Emotion heraus. Das ist zwar nachvollziehbar, leider aber nicht sehr produktiv. Ist man tatsächlich an einer Lösung interessiert, gilt es, einen „kühlen Kopf“ zu bewahren. Es spricht auch nichts dagegen, während eines Streites sich eine „Auszeit“ zu nehmen, den Austragungsort kurz zu verlassen um sich abzukühlen. Wird das auch so dem Gegenüber kommuniziert, wird das auch so verstanden.
  • Immer wieder spannend ist es auch, einmal zu hinterfragen, was den Streit tatsächlich ausgelöst hat. Was steckt denn dahinter, dass ich gerade bei diesem Satz, auf Grund dieser Aktion, so emotional/ gekränkt/ aggressiv reagiere? Es gibt die 4 Gründe für Ärger:
    • Der andere hat etwas, was ich gerne hätte.
    • Der andere hält mir selbst einen Spiegel vor.
    • Der andere hat einen bestimmten Punkt gedrückt und damit ein altes Muster ausgelöst.
    • Der andere formuliert unklar, das gemeinsame Ziel ist nicht genau definiert.
  • Konflikte vermeiden ist eine beliebte Strategie, die allerdings langfristig nicht sehr effizient ist. Der Ärger wird nicht weniger wenn man versucht ihn zu ignorieren – im Gegenteil. Wenn einen Dinge stören, soll man sie auch ansprechen. Es wäre auch spannend zu ergründen, woher diese „Kopf-in-den-Sand“-Strategie kommt. Vielleicht war sie ja einmal in einem früheren System (Früherer Job, Ursprungsfamilie, etc.) hilfreich. Die Frage ist, ob sie das noch immer ist.
  • Vorwürfe sind keine Argumente. Sie lösen nur Gegenwehr beim Gegenüber aus. Effizienter ist es zu kommunizieren, was ein bestimmtes Verhalten auslöst, wie es einem damit geht. Es ist auch hilfreich während einem Streit zu versuchen, in die Sichtweise und Gefühlswelt des Gegenüber einzusteigen – das ist allerdings zugegebenermaßen tatsächlich „hohe Kunst“. Aber so kann man selbst durch einen Streit ganz viel über den anderen lernen.
  • Last but not least – beim Thema bleiben. Nicht mit einem Rundumschlag alle Baustellen aufmachen. Im Gegenteil: stets Lösungswillen und Wertschätzung signalisieren, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist.

Also – jede Beziehungskrise kann auch eine Chance sein.

Lass uns drüber reden.