Beleidigungen: Angriffe oder Empfindlichkeiten

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Beleidigungen: Angriffe oder Empfindlichkeiten

Wie oft passiert es: Jemand sagt/ tut etwas, wir reagieren darauf negativ und sind beleidigt, getroffen, gekränkt. Eine alltägliche Geschichte. In 99 von 100 Fällen handelt es sich hier aber nicht um bewusste Beleidigungen des Gegenübers sondern um eigene Empfindlichkeiten. Der selbes Satz, das selbe Verhalten hätte vielleicht ein paar Tage früher oder später genau gar nichts ausgelöst, vielleicht hätte man darüber gelacht ……. nur an diesem einen Tag, in diesem Moment, reagiert man negativ. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe:

  • Mein Gegenüber hält mir gerade einen Spiegel vor, weist mich also unbewusst auf eine negative Eigenschaft von mir selbst hin
  • Mein Gegenüber hat unbewusst den Finger auf eine alte Wunde gedrückt, an einen bestimmten Punkt getroffen
  • Mein Gegenüber zeigt ein bestimmtes Verhalten, welches ich selbst gerne hätte (Der Neid ist ein Hund)
  • Es kommt zu einem Kommunikations-Gap. Ein bestimmtes Wort ist von den beiden „Kontrahenten“ unterschiedlich besetzt, sprich, jeder versteht etwas Anderes darunter. Man spricht es aber nicht aus, weil es „ist eh klar“.

Das heißt also, natürlich ist es wichtig, sich Beleidigungen zu sparen, achtsam und wertschätzend mit anderen umzugehen. Aber bei aller Wertschätzung und Achtsamkeit, ob jemand beleidigt ist oder nicht kommt immer darauf an, ob er sich „den Schuh anzieht oder nicht“ 🙂 .

Zitat zu diesem Thema unseres geschätzten Bundeskanzlers, Christian Kern: „Wer mich beleidigen kann, bestimme ich.“ (Quelle Standard, 11. August 2016).

Das trifft es genau auf den Punkt. Ich selbst entscheide, wie ich auf Angriffe (oder auch nur vermeintliche „blöde Meldungen“) reagiere. Ich kann mich beleidigt zurückziehen oder es abprallen lassen.

Anders verhält es sich mit bewussten Angriffen. Das sind dann „Beleidigungen“, um das Ansehen des Kontrahenten bewusst und absichtlich zu schmälern. Meist geht es hier um Macht und Geld. Diese Verbalattacken findet man häufig im Bereich von Politik und Wirtschaft. Ein unangenehmes Mittel der Rhetorik. Wer es notwendig hat, davon Gebrauch zu machen, ist ein armseliger Mensch (aber das ist meine persönliche Meinung 🙂 )

Also das nächste Mal, wenn ihr Euch von Familie/ Freunden/ Kollegen beleidigt fühlt – kurz innehalten und versuchen, das ganze mit Abstand von Außen zu betrachten. Vielleicht trifft ja einer der 4 Punkte oben – ein klein wenig – zu.

Lass uns drüber reden.