Ausweglosigkeit: Ein rein subjektives Gefühl – und damit niemals endgültig

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Ausweglosigkeit

Wer kennt es nicht? Diese Phasen, wo Dir das Schicksal/ die Wirtschaft/ die Familie/ die Umwelt/ die Gesundheit etc. so richtig eins „rein würgt“. Lebensabschnitte, die uns finanziell, emotional, energiemäßig total an unsere Grenzen bringen; die unser Wertesystem bis in die Grundfesten erschüttern. Kein Stein bleibt mehr auf dem anderen, die altbekannten Wege und Strategien passen nicht mehr, Pfründe, in denen wir es uns (vielleicht zu) bequem gemacht haben stehen nicht mehr zur Verfügung. Ressourcen, auf die wir stets zurückgreifen konnten, auf die wir vertraut haben, brechen weg. Diese Phasen können sowohl privater (Trennung, Krankheit, Tod eines geliebten Menschens) als auch beruflicher (Jobverlust, Versagen, Korruption, Misserfolg) Natur sein. Wir betreten unbekanntes Terrain, das Gefühl der totalen Ausweglosigkeit macht sich breit. Die Menschen reagieren unterschiedlich auf dieses Gefühl, meistens jedoch in einer Art und Weise, die für sie und ihr Umfeld nicht förderlich sind: Rückzug, Wut, Verdrängung, Panik, Aggression, etc. Es werden Schuldige gesucht (und meistens auch schnell Sündenböcke gefunden – Angebote von manipulativen Kräften gibt es ausreichend). Es ist einfacher, sein Schicksal zu ertragen, wenn man sich der Fremdbestimmtheit hingibt.

Und natürlich – es ist nur allzu menschlich, einfache Wege und (vermeintliche) Lösungen zu suchen für Situationen, die uns wirklich viel abverlangen. Ich behaupte nicht, dass solche Phasen einfach sind und uns nicht vor fast unüberwindliche Probleme stellen. Und Gefühle wie Ausweglosigkeit, Verzweiflung, Angst, Wut und Aggression sind im ersten Moment auch nur zu verständlich – und völlig normal.

Aber um irgendwann wieder handlungsfähig zu werden, sollte man einen Weg aus diesem schwarzen Loch suchen, wieder in die Eigenverantwortung kommen. Das ist es nämlich: diese Negativspirale macht uns handlungsunfähig. Welchen Weg man dazu wählt, welche Strategie jeder für sich entwickelt, ist individuell vollkommen unterschiedlich. Wichtig ist, dass man sich auf den Weg begibt, dass man Vergangenes hinter sich lässt und an Fähigkeiten und Erfolge glaubt, dass man sich wieder seiner Talente und Ressourcen bewusst ist und sie reaktiviert, dass man die Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit, dem eigenen Vermögen wieder spürt. Dass man bereit ist, auch mal die Perspektiven zu ändern, eventuell alte Beliefs aufzuspüren und zu hinterfragen, ob sie noch Gültigkeit haben. Dass man bereit ist, sein Umfeld, seine Familie und Freunde mit dankbarem Blick zu betrachten, dass man mal schaut, was für Reichtum eigentlich da ist. Dass man versucht (so zynisch und naiv das auch i, dieser schweren Situation vielleicht doch etwas Neues, Leichtes abzugewinnen.

Das hat nur vordergründig mit „positiven Denken“ zu tun. Es erscheint mir ganz logisch: Die Alternative zum neuen Aufbruch ist nämlich, in der Negativspirale drinnen zu bleiben, anstatt sie zu unterbrechen und umzudrehen. Wer sich dafür entscheidet, im Gefühl der Ausweglosigkeit und in der Schockstarre zu verharren, wird auch blind seinem Umfeld gegenüber. Und irgendwann besteht dann die Gefahr, dass diese ursprüngliche Herausforderung, so groß sie war, noch größer wird: Einsamkeit, Krankheit, finanzieller Ruin schlagen sich dazu, es wird nicht besser.

Die Entscheidung liegt immer bei einem selbst.

Lass uns drüber reden.